„Sprache ist eine ausschließlich dem Menschen eigene, nicht im Instinkt wurzelnde Methode, zur Übermittlung von Gedanken, Gefühlen und Wünschen mittels eines Systems von frei geschaffenen Symbolen.“
(Sapir 1961)

Bedeutung von Mehrsprachigkeit für die Sprachentwicklung

Mehrere Sprachen bereichern die kindliche Entwicklung. Denn sie bieten mehr als eine Möglichkeit, in Kontakt zu treten, sich aktiv zu beteiligen und anhand dessen zu lernen.

Zwei- oder Mehrsprachigkeit ist für ihr Kind in der Regel ein Gewinn und eine Herausforderung zugleich! Die Herausforderung besteht darin, dass das Kind verschiedene Sprachsysteme erlernen muss. Viele Sprachen haben einen unterschiedlichen Sprachrhythmus, das bedeutet, ein unterschiedliches Betonungsmuster der Wörter. Der Rhythmus der deutschen Sprache ist z. B. anfangsbetont, französisch ist endbetont. Der Satzbau und die Grammatik sind oft völlig unterschiedlich.

Meistens spricht das Kind aber nicht beide Sprachen gleich gut.
Es kann sein, dass es nur eine der Sprachen (überwiegend) nutzt oder auch, dass es zwei Sprachen miteinander vermischt.

Wichtig:

  • Kinder, die bis zum Zeitpunkt des Erwerbs des Deutschen eine normale sprachliche Entwicklung in ihrer Muttersprache (z.B. Türkisch oder Russisch) durchlaufen haben, haben in der Regel keine Probleme mit dem Zweitsprachenerwerb.
  • „Eine zufriedenstellende zweisprachige Entwicklung wird gefördert durch emotional positiv besetzte Sprachenkontakte, durch eine orientierende Familienerziehung, durch eine unterstützende Schulbildung und durch eine gesellschaftliche Wertschätzung der weniger häufig gesprochenen Sprachen.“ (Reich & Roth 2002)
  • Mehrsprachigkeit stellt in der Regel kein Problem dar, sondern wirkt sich eher unterstützend auf die kognitive Entwicklung der Kinder aus. Daher sollte der Erwerb mehrerer Sprachen auf jeden Fall unterstützt werden.

Wann braucht ein zwei- oder mehrsprachiges Kind Logopädie?

Mit bereits zwei Jahren sollte ein Kind mindestens 50 Wörter sprechen, wobei es verschiedene Wörter sein müssen, egal in welcher Sprache. Aussprache- und Grammatikfehler dürfen noch vorkommen.
Ist dies nicht der Fall, kann bei Zwei- oder Mehrsprachigkeit eine Sprachentwicklungsverzögerung von ca. einem halben Jahr toleriert werden.

Falls ein Kind in beiden bzw. allen Sprachen Auffälligkeiten zeigt (z. B. in Bezug auf die Grammatik oder die Aussprache), ist eine logopädische Abklärung sinnvoll und gerechtfertigt. Zeigt es nur in der deutschen Sprache Probleme und spricht die Zweitsprache perfekt, so liegt ein Deutschproblem vor und das Kind sollte pädagogisch gefördert werden.

Eine Sprachentwicklungsstörung liegt z. B. dann vor, wenn in beiden oder allen Sprachen

  • der Wortschatz sehr klein ist
  • grammatikalische Fehler auftauchen
  • Ausspracheprobleme vorhanden sind, die nicht altersentsprechend sind.
  • das Sprachverständnis sehr gering ist

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